Die gute Nachricht: Pflegeeinrichtungen sind auf den Umgang mit MRE-Infizierten eingerichtet. Das Pflegepersonal ist sensibilisiert und es gibt Maßnahmen, um Mitarbeiter und Bewohner zu schützen. Das ist eine der Erkenntnisse einer Kurzumfrage zur Hygienesituation in Betreuungseinrichtungen, die die WISAG Facility Service Holding GmbH mit wissenschaftlicher Begleitung des Hygieneinstituts HYBETA GmbH durchgeführt hat. Die Befragung zeigt aber auch, dass nicht alle Einrichtungen den MRE-Status ihrer Bewohner kennen.

So antworten nur 52,7 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sie den MRE-Status ihrer Bewohner kennen – 47,3 Prozent kennen ihn nicht oder nur teilweise. „Unerkannte Infektionen mit multiresistenten Erregern bergen aber die Gefahr, dass sie sich unbemerkt ausbreiten können“, sagt Matthias Meyer, Vertriebsleiter Gesundheitswesen der WISAG Facility Management GmbH & Co. KG. „Durch Screenings bei der Neuaufnahme oder nach Krankenhausaufenthalten ließe sich dieses Risiko deutlich senken. Ohne die Tests vergeben die Pflegeeinrichtungen eine wichtige Chance im Kampf gegen MRE.“

Wie grundlegend die Screenings sind, wird deutlich, wenn man zwei Umfrageerkenntnisse zusammenfasst: Zwar ist das Pflegepersonal für den Umgang mit MRE-besiedelten Bewohnern sensibilisiert und es gibt Schutzmaßnahmen für den Ernstfall. Doch diese Maßnahmen können nur dann sinnvoll angewendet werden, wenn gleichzeitig auch der MRE-Status der Bewohner bekannt ist. „Das fehlende Screening ist eine Schwachstelle: Ohne flächendeckende Tests können die Maßnahmen nicht greifen“, sagt Dr. Frank Wille, Geschäftsführer des Hygieneinstituts HYBETA.

Mehrarbeit durch MRE
Wie wichtig es ist, Übertragungsrisiken und Neuinfektionen zu reduzieren, zeigt die Rückmeldung auf die Frage: „Wie sehr belasten die Maßnahmen im Umgang mit MRE-Trägern die Arbeitsorganisation in Ihrer Einrichtung?“ Mehr als 85 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass die Maßnahmen im Umgang mit MRE-Trägern ihre Arbeitsorganisation sehr (41 Prozent) oder etwas (44,3 Prozent) belasten. Angesichts des chronischen Personalmangels in der Pflege ist dies ein kritischer Umstand. Denn er birgt das Risiko, dass die Schutzvorkehrungen aus Personal- oder Zeitknappheit nicht richtig umgesetzt werden.

Alle Ergebnisse und Start der nächsten Befragung
Insgesamt beteiligten sich 301 Personen aus Pflege-, Senioren-, Tagespflege- und ambulanten Pflegeeinrichtungen sowie ambulanten Wohngemeinschaften an der Onlinebefragung, die im Frühjahr 2019 zum zweiten Mal durchgeführt wurde. Mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer ordnen sich selbst der Führungsebene zu.
Das Handout mit allen Ergebnissen der Kurzstudie veröffentlicht die WISAG unter hygieneradar.de. Die nächste Befragung zur Hygienesituation in Pflegeeinrichtungen startet am 17. Juni 2020. Interessenten können auf hygieneradar.de an der Umfrage teilnehmen.